Mein unvergessener Lehrmeister der reinen Lehre

Egon von Neindorff war bis zu seinem Tod im Mai 2004 einer der letzten Gralshüter der Reinen Lehre.

Er erhielt seine reiterliche Ausbildung zunächst von seinem Vater, später durch bekannte Reitmeister wie Felix Bürkner, Richard Wätjen, Ludwig Zeiner, Otto Lörke und auch Alois Podhajsky. Nach dem Krieg zog Egon von Neindorff nach Lörrach, gründete mit seinen aus Sachsen mitgeführten Pferden eine Reitschule und organisierte eines der ersten Turniere nach dem 2. Weltkrieg.

1949 zog er mit seinen Pferden nach Karlsruhe in das heute denkmalgeschützte Reithaus. Bis 1954 war er auf Turnieren außerordentlich erfolgreich, danach wurde er ausschließlich als Ausbilder und Lehrer der klassischen Reitkunst tätig. Die seit 1954 jährlichen Veranstaltungen spiegelten die Arbeit des Reitinstituts wieder und wiesen immer wieder eindrucksvoll den Weg und Richtung der korrekten Ausbildung. Aus der ganzen Welt schickten Reitausbilder ihre Schüler zur Weiterbildung nach Karlsruhe.

Im Institut wurde großer Wert auf ethische, moralische Werte gelegt. Gewisse Ettikette und gutes Benehmen im Umgang miteinander und mit den Pferden. Respekt, Bescheidenheit, Höflichkeit, ein ordentliches Erscheinungsbild und, vor allem, Selbstdisziplin manchmal bis hin zur Selbstaufgabe.

„Man kann das Reiten nicht erlernen man muss es studieren.“ Egon von Neindorff
Reitkunst bedeutet, die Bewegung des Pferdes mit der geringstmöglichen Anstrengung zu kultivieren, so Egon von Neindorff. Durch den im Institut gelehrten perfekten Sitz und die feinste Hilfengebung wurde das Pferd ins Gleichgewicht unter dem Reiter gebracht. Das Resultat war ein sich in jeder Gangart und Lektion selbsttragendes Pferd. Nie wurde es zum Befehlsempfänger degradiert, es sollte freiwillig auf die Anweisungen des Reiters geradezu warten und sein Bestes geben. Man wurde erzogen das Pferd als Partner und nicht als Sportgerät zu sehen.

Egon von Neindorff war Inhaber des Bundesverdienstkreuzes und des deutschen Reiterkreuzes in Gold. Er war immer „im Dienst“ wie er selbst zu sagen pflegte. Noch wenige Stunden vor seinem Tod am 19. Mai 2004 gab er seinen Schülern Unterricht.